Finanzplatz Zug - Montag, 21.05.2012


Mo, 28.08.2006

Zuger Ständeratswahlen 2006 - die Spannung steigt!

Die Zuger Ständeratswahlen 2006 werden spannend! Die beiden bisherigen Ständeräte Rolf Schweiger (FDP) und Peter Bieri (CVP) treten wieder an. Aber mit der Kandidatur von Hanspeter Uster (Alternative) könnte vieles anders werden.

Für die SP kandidiert mit Frau Christina Bürgi Dellsperger eine im Kanton Zug relativ unbekannte Persönlichkeit. Bürgerliche gegen Linke – es kommt zum Kampf der Blöcke – Spannung pur im Kanton Zug!

Die Überraschung ist gelungen!

Bei den bürgerlichen Parteien CVP und FDP freute man sich bereits auf die Wahlfeier. Die Wahl von Bieri und Schweiger schien noch vor wenigen Wochen eine Formsache zu werden. Eine Kandidatur seitens der SVP war nicht zu befürchten. Und von linker Seite erwartete man sowieso keine richtig nennenswerte Gefahr.

Doch dann kam die unerwartete Wendung – die Bekanntgabe der Kandidatur von „Noch-Regierungsrat“ Hanspeter Uster. Kaum jemand in der CVP und in der FDP erwartete diese Überraschung. Anders kann man die Reaktionen auf Usters Entscheidung wohl nicht deuten.

Die Überraschung ist gelungen. Es beginnt ein richtiger Wahlkampf! Und die Wahlfeiern können nur mit einem grossen Fragezeichen organisiert werden. Welche Partei wird wohl richtig feiern können? Droht sogar ein 2. Wahlgang? Werden die Wahlparties sogar in den Dezember verschoben? Es wird spannend!

Im Wahljahr 2002 lief es für die FDP und die CVP gut

Vor vier Jahren wurden Bieri (mit 19'535 Stimmen) und Schweiger (mit 18'643 Stimmen) klar im 1. Wahlgang (Majorzverfahren) gewählt. Der Kandidat der Linken – der heutige Nationalrat Josef „Joe“ Lang – und der Kandidat der SVP – Hans Durrer – konnten sich mit 8'065 bzw. 6'957 ebenfalls eine beachtliche Stimmenzahl erkämpfen. Der Wahlgang an sich war jedoch mehr als nur eine klare Angelegenheit.

Im Jahre 2002 (wie schon auch 1998) marschierten die FDP und die CVP gemeinsam. Dies zahlte sich jeweils aus.

Obwohl Durrer und Lang in den Ständerat gewählt werden wollten, verband diese Tatsache zwar beide Kandidaten in den persönlichen aber nicht in den politischen Zielen. Somit kämpften diese Beiden allein auf weiter Flur - jeweils für sich alleine und blieben somit chancenlos!

2006 – der Kampf der Blöcke oder das gemeinsame Gegeneinander

In diesem Jahr sieht die Situation aber anders aus. Die SVP hat noch keine Andeutung gemacht, dass sie mit einer eigenen Kandidatur antreten möchte. Aus ihren Reihen kamen in letzter Zeit jedoch einige Anmerkungen über Bieri, aber ansonsten hält sich die SVP vornehm zurück.

Klar ist jedoch, dass die CVP und die FDP wie 1998 und 2002 wieder gemeinsame Sache machen. Und gleich werden sich wohl die SP und die Alternativen verhalten. Ein gemeinsames Gegeneinander!

Die Akzeptanz von Hanspeter Uster

Im Jahre 2002 erzielte Hanspeter Uster mit 17'550 Stimmen das Beste persönliche Resultat aller 14 Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten (im Proporzverfahren). Nicht nur in seiner Heimatgemeinde Baar, sondern u.a. auch in der Stadt Zug, in Cham und in Steinhausen holte Uster die höchste Stimmenzahl!

Die SP und die Alternativen holten mit 8'231 (27 %) die höchste Listenstimmenzahl aller Parteien. Die CVP mit 8'003 (26,3 %), die FDP mit 7’381 (24.2) und die SVP mit 6'864 (22,5 %) wurden allesamt geschlagen.

Pikantes Detail aus den Regierungsratswahlen 2002: Uster erhielt von der CVP 3’801 Stimmen (als Vergleich: Joachim Eder 4’168 Stimmen) und von der FDP 3’804 Stimmen (als Vergleich: Walter Suter 3’483 Stimmen).

Daraus ergibt sich, dass Uster über die Parteigrenzen hinaus als Politiker und auch als Mensch sehr geschätzt wird.

Bieri und Schweiger erzielten bei der Ständeratswahl zwar jeweils höhere Stimmenzahlen. Dies kann aber für die Ständeratswahlen 2006 nicht als gegeben betrachtet werden. Sind doch die unterschiedlichen Wahlverfahren (Majorz / Proporz) und die Anzahl der Kandidatinnen und Kandidaten ebenfalls nicht unwichtigen Faktoren.

Das Verhalten der Anderen

Entschieden wird die Wahl wohl wie so oft von den Anderen! Sollten sich die Bürgerlichen gegenseitig treu bleiben, dürften die beiden bisherigen Ständeräte Bieri und Schweiger wohl gewählt werden. Treue und Politik – das war und ist nicht immer eine kongruente Sache!

Sowohl Bieri wie auch Schweiger möchten unbedingt die bürgerliche Zusammenarbeit für weitere vier Jahre gesichert haben. Ob es alle Parteimitglieder auch so sehen, ist wohl mehr als nur unklar. Die neue Ausgangslage mit „der Alternative Uster“ kommt für einige nicht ganz ungelegen. Es ist durchaus möglich, dass nun einige Denkzettel verpasst werden. Weil für das Verpassen von Denkzettel bei Wahlen nichts geeigneter ist als eine Alternative.

Das absolute Mehr – und dann?

Im Jahre 2002 lag das absolute Mehr bei 14'736 Stimmen (gültige Wahlzettel 29'770). Bieri und Schweiger lagen bereits im 1. Wahlgang deutlich darüber.

Aber wird es nun für die Beiden mit Uster, als dritter starker Kandidat, auch wieder so leicht sein, diese Hürde zu überspringen? Kommt es allenfalls sogar zu einem 2. Wahlgang?

Sollte es zu einem solchen 2. Wahlgang kommen, dürfen wir gebannt die Entwicklung in den jeweiligen Parteien verfolgen. Bleiben die Kandidaten? Treten Sie zurück und machen den Weg frei für eine neue Kandidatur? Oder werden Sie an einer Delegiertenversammlung sogar von der eigenen Partei abgestraft?

Fragen über Fragen – aber (noch) keine Antwort.

Sowohl die CVP und die FDP gehen davon aus, dass ihre jeweiligen Kandidaten im 1. Wahlgang gewählt werden. Über ein anderes Szenario will man (öffentlich) nicht sprechen und dies ist wohl auch richtig so. Denn sollte man sich bereits im Vorfeld des 1. Wahlgangs öffentlich Gedanken über einen 2. Wahlgang machen, würde dies nur die Schwächung des eigenen und die Stärkung des anderen Kandidaten bedeuten. Und welche Partei macht dies in aller Öffentlichkeit?

Nicht desto trotz kann man davon ausgehen, dass es in dieser Sache bei der FDP ruhiger als in der CVP zugehen wird. Auch Peter Bieri wurde 1994 von der CVP erst für den 2. Wahlgang nominiert – dies nachdem Martha Hitz (aus Baar) im 1. Wahlgang nicht das absolute Mehr erreicht hat – nicht zuletzt auch wegen der wilden Kandidatur von Urs B. Wyss (Stadt Zug). Bieri profitierte damals von der CVP internen Situation und wurde zum Nachfolger von alt Ständerat Markus Kündig (Stadt Zug) erkoren. Schlägt die Geschichte wieder zu?

Die Prognose – drei Männer überspringen eine Hürde

Mit Bürgi Dellsperger, Uster, Bieri und Schweiger haben die Zugerinnen und Zuger eine echte Auswahl. Wobei Frau Bürgi Dellsperger keine reelle Wahlchance hat. Also verbleiben drei Männer für zwei Ständeratssitze.

Das absolute Mehr dürfte wiederum bei rund 14'000 bis 15'000 Stimmen liegen – und wer springt darüber?

Sowohl Uster, Bieri und Schweiger werden diese Hürde wohl überspringen! Es wird somit nicht zu einem 2. Wahlgang kommen. Wer von diesen Dreien gewählt wird, das können wir nur vermuten – aber gehen wir davon aus, dass es eine Überraschung geben wird.

Klar ist jedoch heute bereits folgendes: Uster kann nur gewinnen, Schweiger kann nur verlieren – aber für Bieri wäre eine Abwahl knapp vor dem Höhepunkt seiner politischen Karriere eine verheerende persönliche Niederlage!

In der Politik liegen Sieg und Niederlage nahe beieinander – und das Wahlvolk entscheidet darüber, und das ist gut so!

Und bitte vergessen Sie nicht – dieser Kommentar ist nur eine Prognose! Also gehen Sie zur Wahl – der Kanton Zug hat es verdient!

(zio.ch / Francesco R. Fusco)


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