| Di, 04.03.2008 |
Währungen: Fragiles Ungleichgewicht
Die Währungen der Welt stehen derzeit in einem groben Missverhältnis zueinander. Im Kampf gegen die Inflation dürften asiatische Länder ihre Währungen bald deutlich aufwerten lassen.
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UBS AG |
• Angesichts der steigenden Inflation könnten sich vor allem Asien und einige Länder mit umfangreichen Ölvorkommen dazu gezwungen sehen, ihre
schwachen Währungen gegenüber dem US-Dollar und dem Euro aufzuwerten.
• Dadurch würden sich die Exporte aus diesen Ländern auf dem Weltmarkt
verteuern.
• Steigende Exportpreise werden zwar die globale Produktion kurzfristig hemmen, aber letztlich dürften europäische und US-amerikanische Exporteure von dieser Veränderung profitieren.
• Für bestimmte Anlagen stellen diese Entwicklungen Risiken dar. Anleihen sind auf eine steigende Inflation anfällig. Die Kurse einiger Aktien und Immobilienwerte aus Schwellenländern könnten infolge der starken Währungsaufwertung einbrechen.
In seiner neuen Studie unter dem Titel «Währungen: fragiles Ungleichgewicht» untersucht UBS Wealth Management Research die Dynamik der aktuellen Lage, ihre historische Entwicklung und einige Szenarien für mögliche Endresultate. Ein seit über dreissig Jahren weitgehend etabliertes System könnte nun vor einer bedeutenden Veränderung stehen. Das Gleichgewicht der globalen Währungen wird sich verlagern und damit den Weltmärkten Probleme bringen, gegen die sich die Anleger wappnen sollten. In der globalen Wirtschaft gibt es für Anleger heutzutage wenige Themen, die mehr fesseln als Währungen.
In der neuen Studie prognostiziert UBS Wealth Management Research eine
erhebliche Aufwertung der Währungen bestimmter asiatischer und ölproduzierender Länder. Währungen, die derzeit noch mit exportfördernden Kursen an den US-Dollar gekoppelt sind, könnten stark aufgewertet werden, um die Inlandsinflation zu bekämpfen. Der neuen Studie zufolge könnte sich dies negativ auf das weltweite Wachstum auswirken, da Exporte aus Asien damit an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen. China beispielsweise ist heute eine Produktionsweltmacht, aber ein steigender chinesischer Yuan wird die chinesischen Exportwirtschaft zurückbinden.
Die Produktionskapazitäten ausserhalb Asiens werden die Nachfrage zunächst einmal nicht decken können. Die Verlagerungen dürften aber letztlich anderen Regionen – insbesondere der Eurozone und auch den USA – zugutekommen, wenn sich deren Industrien darauf einstellen, in die Lücke zu springen.
Kurzfristig könnte eine starke Aufwertung der derzeit noch schwachen Währungen das globale Wirtschaftswachstum hemmen und die Inflation weiter anheizen. Die Anleihenmärkte der Industrieländer würden dadurch aller Wahrscheinlichkeit nach geschwächt. UBS WM Research ist der Ansicht, dass die aktuellen Kurse vieler Aktien und Immobilienwerte aus Schwellenländern das Risiko einer starken Währungsaufwertung nicht widerspiegeln.
Fehlbewertungen der Währungsmärkte reflektieren globale
Ungleichgewichte
Die Währungen verschiedener Schwellenländer sind entweder an den US-Dollar gekoppelt oder werden im Verhältnis zu diesem gesteuert. Dies gilt insbesondere für den chinesischen Yuan, andere asiatische Währungen und die meisten Währungen des Golf-Kooperationsrats. Da sie zu exportfreundlichen Kursen an den US-Dollar gekoppelt sind, erfreuten sich diese Länder eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs, hoher und steigender Leistungsbilanzüberschüsse, eines Aufbaus enormer Devisenreserven und eines florierender Finanz- und Immobilienmärkte. Insgesamt resultierten aus der Kombination stetig steigender Devisenreserven, der starken Nachfrage nach Währungen rohstoffexportierender Länder und des anhaltenden Erfolgs der «Carry Trades» auf den Währungsmärkten grundlegende Fehlbewertungen.
Zunehmender Inflationsdruck könnte massive Neubewertungen auslösen
Ende 2007 setzte auch in den Ländern mit gekoppelten Währungen eine
Inflationsbeschleunigung ein. Die zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums gelockerte US-Geldpolitik verstärkte den Inflationsdruck in diesen Ländern sowie das Problem ihrer Reservenanhäufung zusätzlich. Der Studie zufolge könnten sich die Behörden unter Umständen veranlssst sehen, eine Aufwertung ihrer Währungen gegenüber dem US-Dollar zulassen, um die Geldpolitik straffen und die Inflation eindämmen zu können.
Starke Wechselkurs-Anpassungen werden globales Wachstum drücken
UBS Wealth Management Research zufolge könnte eine abrupte Aufwertung der an den US-Dollar gekoppelten Währungen negative Folgen für die Weltwirtschaft haben. Letztlich würden strukturelle, durch Veränderungen der Wettbewerbsfähigkeit bedingte Verschiebungen von Produktionsstandorten Zeit brauchen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, und damit eine Verlangsamung des globalen Wachstums und einen Anstieg der Inflation wahrscheinlich machen. Europa würde im Endeffekt von einer Abkoppelung der asiatischen Währungen vom US-Dollar profitieren, da ein tiefer bewerteter Euro die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure Eurolands steigert. Eine langsamere Währungsanpassung hingegen würde die asiatischen Wirtschaften zwar kurzfristig vor schmerzhaften Korrekturen schützen, könnte aber langfristig mehr Probleme bringen, etwa in Form von Preisblasen an den Anlagemärkten.
Risiko der globalen Ungleichgewichte ist an den Finanzmärkten nicht
berücksichtigt
Die Gefahr einer Abkoppelung und die Risiken aus den aktuellen Ungleichgewichten sind in den Preisen riskanterer Anlagen nicht enthalten. Dies gilt beispielsweise für Aktien und Immobilientitel aus Schwellenländern sowie für bestimmte Rohstoffe wie Basismetalle und Energie. Anleihen aus Industrieländern sind für einen möglichen Anstieg der globalen Inflationsraten schlecht positioniert. Und obwohl die Aktienmärkte der Industrieländer historisch gesehen nicht überbewertet scheinen, sind frühere Vergleiche in Zeiten weltweit steigender Risikoaufschläge möglicherweise obsolet. Insgesamt empfiehlt UBS Wealth Management Research den Anlegern, aufmerksam auf Chancen zu achten, die sich gegebenenfalls durch eine verzögerte Reaktion auf Währungsverschiebungen ergeben, dabei aber ihr Portfolio breit gefächert und defensiv zu halten, um gegen die Risiken gewappnet zu sein, die durch diese Ungleichgewichte hervorgerufen werden.
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