| Do, 12.06.2008 |
Südseeträume in der Schmidgasse
Am vergangenen Sonntagmorgen fand im Kino Seehof eine weitere Lesung im Rahmen der „Schmidgasse Auslese“ statt.
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Dirk C. Fleck |
Das Tahiti Projekt ist Flecks viertes Werk und insofern eine Besonderheit, weil es sein erstes Buch ist, das eine positive Botschaft transportiert. Darin wird Journalist Cording von seinem Chef nach Papeete auf Tahiti geschickt, um eine reisserische Reportage über eine vermeintlich durchgeknallte Öko-Sekte zu schreiben, die dort ein alternatives Gesellschaftsmodell umgesetzt habe und nun der internationalen Presse vorstellen möchte. Natürlich kommt es anders, nicht zu letzt, weil sich der eigentlich längst resignierte Cording in eine Tahitianerin verliebt, neue Lebensfreude findet. Zwischen drei Leseblöcken hatte das Publikum Gelegenheit Fragen zu stellen, was sehr engagiert und fundiert genutzt wurde. Die Lesung dauerte denn auch fast eine Stunde länger als geplant und der Moderator Thomas Brändle war entsprechend gefordert.
Der Roman gründet auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Equilibrismus, einem sozioökologischen Wirtschaftskonzept, das real auf Tahiti umgesetzt werden soll. Der ebenfalls anwesende Eric Bihl, Vorsitzender des Vereins Equilibrismus und Initiator des Romans berichtete von Kontakten mit der tahitianischen Regierung, die sich sehr interessiert zeigen würde, denn Polynesien erfüllt die gängigen Klischees längst nicht mehr, leidet an den Folgen der Zuvielisation sogar ungleich mehr, als andere Länder. Erstmals werde Tahiti von einem Eingeborenen regiert. Auch dadurch fände eine kollektive Erinnerung an die kulturellen Ursprünge der Ureinwohner statt, die mit der Kolonialisierung vor gut 200 Jahren verschüttet worden war. Das sei die sich nun öffnende Tür für das Gelingen des Tahiti Projektes. Flecks Zukunftsroman soll veranschaulichen, wie eine Welt aussehen könnte, wenn sie die schon heute existierenden technischen Lösungen und soziökologischen Modelle in einem „Laborversuch“, eben auf Tahiti, ausprobieren würde. Wir hätten schliesslich nichts zu verlieren, waren sich auch die Besucherinnen und Besucher einig.
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