Kanton Zug - Montag, 21.05.2012


Mi, 02.12.2009

Nahtstellenkonferenz trägt Früchte

Die Zuger Nahtstellenkonferenz, im April 2008 auf Initiative der Bildungs-und der Volks-wirtschaftsdirektion gemeinsam durchgeführt, trägt erste Früchte.

Kanton Zug
(Foto: zvg)

Sechs Projekte befinden sich auf der Zielgeraden und bewirken, dass die Schnittstelle zwischen obligatorischer Schulzeit und dem Übertritt in die Berufswelt bzw. in eine weiterführende Schule möglichst nahtlos funktioniert.

Belastende Bewerbungsabläufe für Jugendliche, zu wenig aussagekräftige Zeugnisse für die Lehrmeister, fehlender Dialog zwischen Wirtschaft und Schule – die zentralen Punkte kristallisierten sich in der Naht stellenkonferenz vom April 2008 dank dem engagierten Mitwirken von über 100 Fachleuten aus dem Bereich der Sekundarstufe und der Berufsbildung schnell und deutlich heraus. Ebenso konstruktiv haben die Verantwortlichen aus Lehrerschaft, Berufsbildung, Schulleitung und Verwaltung nun Massnahmen zur Verbesserung der Situation umgesetzt.

"Stellwerk" wird flächendeckend eingeführt
Konkret wird etwa der viel zitierte Standortbestimmungstest «Stellwerk» bis zum Sommer 2010 in fünf Gemeinden des Kantons, bis Sommer 2011 dann in allen Zuger Gemeinden flächendeckend eingeführt. Stellwerk zeigt Jugendlichen im achten Schuljahr ihre schulischen Schwächen und Stärken auf und macht deutlich, wie die verbleibende Zeit in der Volksschule optimal genutzt werden kann. Vorwärts geht es auch mit der Überarbeitung der Zeugnisse der Primar- (1. bis 6. Schuljahr) und Sekundarstufe I (7. bis 9. Schuljahr), die an der Nahtstellenkonferenz vor allem von den Lehrbetrieben als verbesserungswürdig bzw. als «nicht aussagekräftig» kritisiert wurden. Dies vor allem auch aufgrund des Systems der Kooperativen Oberstufe KORST, das es mit sich bringt, dass in den Fächern Mathematik und Französisch Noten in zwei verschiedenen Leistungsniveaus (A und B)vergeben werden. Bis Februar 2010 liegen konkrete Vorschläge eines optimierten Zeugnisses vor, welches den Anliegen von Jugendlichen, Lehrerschaft und Lehrfirmen gleichermassen Rechnung trägt. Den positiven Entscheid des Zuger Bildungsrates vorausgesetzt, werden die neuen Zeugnisse in den Klassen des 1. bis 9. Schuljahres bereits im Schuljahr 2010/11 ausgehändigt.

Bezüglich Berufswahl stehen ebenfalls Verbesserungen an. Der neu eingeführte Berufswahlordner erhielt sehr gute Rückmeldungen und soll aufgrund der guten Erfahrungen zum obligatorischen Lehrmittel werden. Er wird an alle Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen abgegeben, enthält sämtliche wichtigen Informationen und Ratschläge zum Thema Berufswahl und gibt Auskunft über die Brücken- und Mittel-schulangebote des Kantons.

Dank einer häufig von Jugendlichen formulierten Kritik, Lehrstellenabsagen fast immer ohne spezifische Angabe von Gründen zu erhalten, kommt nun auch in diesem Bereich etwas ins Rollen. Eine Arbeitsgruppe hat ein Absageformular kreiert, auf dem die Firmen ankreuzen können, was sie zur Absage bewogen hat, z. B. unzureichende schulische Leistungen, mangelhaftes Bewerbungsdossier, fehlende Überzeugungskraft usw. Den Firmen steht ein entsprechender Download auf www.zug.ch/berufsbildung zur Verfügung. Ein Webtool «Nahtstelle Zug», das im nächsten Sommer aufgeschaltet wird, soll zudem den Dialog zwischen Wirtschaft und Schule stärken und dafür sorgen, dass der gegenseitige Informationsaustausch besser funktioniert.

Starke Sekundarschüler stärken
Noch nicht spruchreif, aber auf guten Wegen sind die Massnahmen für eine Optimierung der Schnittstelle Sekundarschule/Maturitätsschule. Immer mehr Sekundarschülerinnen und -schüler (25 bis 30%) versuchen, ins Gymnasium zu wechseln. Hier soll der Austausch unter der Lehrerschaft und die Koordination der fachlichen Standards intensiviert werden. Sowohl die Bildungs- wie die Volkswirtschaftsdirektion wollen den Weg über die Sekundarschule als Alternative zum 6-jährigen Gymnasium stärken. Das heutige System wurde an der Konferenz mehrfach als «unfair» kritisiert, da die Chancen, von der Sekundarschule ins Gymnasium zu wechseln, stark vom Förderangebot der Wohnortsgemeinde abhängen. Hier streben die Bildungsverantwortlichen eine Harmonisierung an.

Case Management Berufsbildung
Bereits erste Erfahrungen gesammelt hat man im Bereich Case Management, dessen Einführung an der Nahtstellenkonferenz beschlossen wurde. Hier geht es um ein auf eidgenössischer Ebene initiiertes und mitfinanziertes Projekt, das individuelle Fallbetreuung von Jugendlichen mit «Risikofaktoren» – seien sie schulischer oder sozialer Natur – vorsieht, deren Einstieg in die Berufswelt gefährdet ist. Im Kanton Zug sind gemäss Auskunft der Volkswirtschaftsdirektion zwei bis drei Prozent der Jugendlichen betroffen. Seit Frühling 2009 arbeitet eine «Case Managerin», die Risikojugendliche in der obligatorischen Schule erfasst, begleitet und berät, bis sie im Berufsleben Fuss gefasst haben.
(zio.ch / Patrick Cotti)


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