Leserbriefe - Samstag, 04.02.2012


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Antwort: Kulturvielfalt um jeden Preis?- NEIN zur Galvanik!

Leserbrief wurde geschrieben von: Jandl David, Zug

Sehr geehrte Frau Huber-Keiser,

Eine Schliessung der Galvanik reisst mit nichten ein Loch in die hiesige Kulturlandschaft. Diejenigen Jungzuger und Auswärtigen, welche bis anhin im Dunstkreis der Galvanik Drogen konsumierten, Vandalismus betrieben, Nachtruhestörungen und Abfall produzierten, sind doch bereits mit ihren schützenswerten Hobbies an Orte wie einer Industrie45 oder einem Podium41 emigriert. Viele von Ihnen mögen in absehbarer Zeit auch älter werden und etwa ein Konzert in der Chollerhalle vorziehen, zumal man z.B. bei einem Tito & Tarantula ebenfalls ausschweifend auf Kosten Anderer randalieren könnte - aber eben, Spass macht das in einer aufgeräumten Umgebung wie der Chollerhalle keinen mehr.

Wenn Sie vom London Pub oder vom Balou sprechen, dann müssten Sie sich doch eigentlich daran erinnern, dass beide Betriebe ihre Lärm- und Abfallemissionen nicht im Griff hatten, zumal sie inmitten der Stadt eben auch auf Andere Rücksicht nehmen sollten.

Wie immer wieder beobachtet werden kann, sprechen häufig Jungsozialisten von den zunehmenden Regularien und damit einhergehenden, immer kleiner werdenden Freiheiten, welche Ihnen das System gewährt. "Und schon wieder geht ein Stück unserer Kutlurlandschaft verloren", wird im Falle der Galvanik polemisiert wird. Wo bleibt die Rücksicht dieser Kulturvielfaltverfechter? Wieso immer nur so fokussiert auf sich selbst und die individuellen Ansprüche?
Man hintefragt Gemeinschaftswerte wie z.B. Ruhe und Ordnung und setzt sich für narzistische Hypochondern ein.
Die alte Galvanik ist ein Stück Zuger Geschichte -und das soll sie auch bleiben. Man muss sich von Vergangenem auch lösen können, vorallem denen, die so umstritten waren wie dieser Betrieb. Beatmet wurde dieser Patient ja schon lange, bis dann die Besucher ein Einsehen hatten und unter die Hütte in einer Art Bondfeier Zeremonie einen Schlussstrich zogen. War damals der Mehrwert eines solchen Betriebes bereits marginal (o.k. ein paar coole HipHop Konzerte gabs da schon - >>ab damit in die Chollerhalle)), kann selbst eine Renovierung die alten Geister nicht mehr wecken. Die kulturelle Vielfalt muss durch intelligentere Lösungen gewaht bleiben.

Speziell Junge Leute passen ihr Benehmen nämlich ihrer Umgebung an; waren die Räumlichkeiten, wie in der damaligen Galvanik speie-mies, konnte sich der Teenie aus gutem Zuger Hause mal ohne Folgen draussen an nebenstehenden Gebäuden erleichtern, den Verkehr auf der Chamerstrasse blockieren, sich prügeln, bekiffen und masslos mit billigem Alkohol von der Mirgrol Tankstelle volllaufen. Und es wurd in grossen Mengen gekotzt, unzählige Glasflaschen gingen rituell bei jedem Anlass zu Bruch, draussen fand ja ohnehin die krassere Party vor der Party statt - den Eintritts- und Getränkepreisen wegen. Doch damit nicht genug, unzählige dufte man als Anreiner erleben wie agressiv ein solcher Belagerungsmob auf Einflüsse von aussen reagierte. Schwamm über die unzähligen illegalen Parties bei denen unsere Polizei ausrücken musste, die Partrolliengänge der Securitas mit Hunden, die anwesenden Drogenhändler ennet der Strasse auf dem damaligen Grossparkplatz. Insgesamt ist diese Subkultur wahrlich schützenswert!

Das Argument mit den Band-Proberäumen ist in meinen Augen eine reine Wischerei. Ohne mich auf eine Statistik berufen zu können, habe ich die Frequenz in etwa miterlebt, zu welcher Bands sich im Haus aufgehalten und gespielt haben - es handelte sich zumindest seit dem Jahre 2005 mehr oder weniger um absolute Randerscheinungen.

Wer sich also mit der Materie ausseindersetzt Frau Huber-Keiser, und nicht einfach nach guter alter Josef Lang Manier überall mitreden möchte, in diesem Fall mit den Besiztern und Untermietern das Gespräch sucht, dem würde unweigerlich auffallen, dass hier eine exklusive Gruppe von ein paar Dutzend Halbstarken auf der Nase aller Anderen herumtanzt.

Eine für Millionen instandgestellte Galvanik wird dabei ohnehin nicht mehr atraktiv sein für die angesprochene Klientele. Zu sauber und zu hell wird diese daherkommen. Der Kick des Illegalen wird vaporisieren. Die Unverbesserlichen wandern ab und die Anderen werden sich dem ohnehin spärlich besuchten Chollerhallen Programm zuwenden. Hierbei soll man doch das Programm der Chollerhalle entsprechend anpassen, damit es auch für die Jüngeren wöchentlich etwas zu feiern gibt.

David Jandl


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