Kanton Zug - Mittwoch, 08.02.2012


Di, 23.03.2010

Kriminalstatistik 2009

Deutlich mehr Einbrüche trüben die Kriminalstatistik 2009. Auch musste die Zuger Polizei im vergangenen Jahr häufiger wegen häuslicher Gewalt intervenieren.

Kanton Zug
(Foto: zvg)

Die am 1. April 2008 eingerichtete Fachstelle Häusliche Gewalt trägt dazu bei, dass Gewalt im privaten Bereich enttabuisiert und Übergriffe vermehrt angezeigt werden. Das Projekt "Gemeinsam gegen Gewalt" zeigt Wirkung: Jugendliche begingen im Jahr 2009 weniger Delikte im Bereich Leib und Leben und auch deutlich weniger Sexualdelikte als im Vorjahr.

Die insgesamt 8`769 Straftaten, die 2009 im Kanton Zug verübt wurden, haben der Zuger Polizei viele Einsätze und Ermittlungsarbeit beschert. Die Zahl der Delikte hat gegenüber 2008 (7`328) insgesamt um knapp 20 Prozent zugenommen. Im gleichen Zeitraum nahm die Bevölkerung um 0,69 Prozent und die im Kanton registrierten Firmen um 1,89 Prozent zu. In der Kriminalstatistik 2009 schlägt die Zunahme der Einbrüche im privaten undim öffentlichen Bereich am deutlichsten zu Buche. Im privaten Raum nahmen die Einbruchdiebstähle um 61 Prozent zu. Im öffentlichen Bereich, in dem mit 60,4 Prozent rund zwei Drittel der Straftaten verübt wurden, bedeutet das ein Anstieg um 41,5 Prozent. Von den Einbrechern am häufigsten heimgesucht wurden die Stadtgemeinden Zug, Baar und Cham. In der Kriminalstatistik wird ein Einbruch mit drei Straftaten erfasst(Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Diebstahl).

Erfreulich hingegen ist der Rückgang von knapp 20 Prozent bei den Straftaten gegen die sexuelle Integrität. Bei den sexuellen Handlungen mit Kindern halbierte sich die Zahl der Delikte von 40 auf 20. Allein schon durch die sporadische Überwachung von Chatforen im Internet wurde eine gute Wirkung erzielt.

Mehr Interventionen wegen Häuslicher Gewalt
Die polizeilichen Interventionen wegen Häuslicher Gewalt nahmen gegenüber dem Vorjahr um 27,7 Prozent zu. In knapp zwei Dritteln der Fälle standen Täter und Opfer in einer Ehe oder Lebenspartnerschaft. Eine häufige Mitursache für die Eskalation und die strafbaren Handlungen lag im übermässigen Alkoholkonsum. Insgesamt wurden 37 Fernhaltemassnahmen(2008: 24) und 25 (20) freiheitsentziehende Massnahmen angeordnet. Die Fachstelle Häusliche Gewalt, die im April 2008 eingerichtet wurde, zeigt laut Sicherheitsdirektor Beat Villiger eine gute Wirkung: "Wenn wir nun höhere Deliktzahlen ausweisen, bedeutet dies, dass bisher verdeckte Gewalt im Privatbereich ans Licht kommt und geahndet wird."

Hohe Aufklärungsquote
Im vergangenen Jahr wurden 92 Prozent der Straftaten gegen Leib und Leben aufgeklärt. Zwei Drittel der Delikte ereigneten sich im öffentlichen Bereich. Im privaten Bereich nahm diese Art von Delikten um 19 Prozent zu. Im Berichtsjahr wurden die polizeilichen Ermittlungen zu drei Tötungsdelikten abgeschlossen. In allen drei Fällen konnte die Täterschaft überführt und die Akten der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug überwiesen werden. Mit einer Aufklärungsrate von 33 % bei den StGB Straftaten liegt die Zuger Polizei erfreulicherweise 16.6 % über der gesamtschweizerischen Aufklärungsrate.

Projekt "Gemeinsam gegen Gewalt"
Nachdem in den letzten Jahren die Jugendgewaltdelikte kontinuierlich zugenommen haben, wurde im März 2009 mit einem weit beachteten Auftaktanlass mit der Umsetzung des Projekts "Gemeinsam gegen Gewalt" gestartet. Mit der Erklärung "Zug zeigt Zivilcourage" wurden klare Grundsätze definiert. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben sich hinter diese gestellt und wurden teilweise selber aktiv. Bereits im Jahr 2009 wurde ein halbes Dutzend Vorhaben gestartet, bei denen sich Jugendliche mit Fragen der Gewalt auseinandersetzen.

Die Botschaft scheint bei den Jugendlichen (10 bis 17 Jahre) angekommen zu sein. In dieser Altersgruppe halbierte sich im Jahr 2009 bei den Leib und Leben-Delikten die Zahl der Beschuldigungen von 127 auf 64. Auch bei den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) nahmen die entsprechenden Beschuldigungen um 16 auf 182 ab. Die Zahl der jugendlichen Sexualstraftäter sank von 16 auf 3 sehr deutlich.

Schwerpunkte 2010
Im laufenden Jahr wird die Umsetzung der Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, die per 1. Januar 2011 in Kraft tritt, die Zuger Polizei neben dem Alltagsgeschäft besonders beanspruchen. So müssen unter anderem die Mitarbeitenden in der neuen StPO geschult werden. Für gerichtspolizeiliche Verfahrenshandlungen wird mit einem Mehraufwand von rund 8 Prozent vorab im administrativen Bereich gerechnet.

Obwohl die Zahl der personellen Ressourcen für Präsenzaufgaben kleiner geworden ist, wird die Polizei im laufenden Jahr versuchen, die Einbruchdelinquenz einzudämmen. Im Weiteren trifft sie Vorbereitungen, per anfangs 2011 einen Jugenddienst zu schaffen, damit Jugendstrafverfahren beschleunigt bearbeitet werden können. Im Projekt "Gemeinsam gegen Gewalt" werden die Massnahmen verstärkt auf die Altersgruppe der 18 bis 24-jährigen jungen Erwachsenen gelegt.
(zio.ch / Beat Villiger)


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