| Do, 08.10.2009 |
Ist das Mittelmass das Mass aller Dinge?
Zug, 8. Oktober 2009. Es war ein hochkarätiges Podium, das sich am Abend des 1. Oktobers im Casino Zug zusammenfand, um über die Frage zu diskutieren, ob in der Schweizer Bildungslandschaft das Mittelmass vorherrsche:
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Talentia Zug |
Welche Konzepte und Grundlagen müssen in der schweizerischen Bildungslandschaft geschaffen und welche Massnahmen getroffen werden, damit die Talente unserer Jugend und damit die Innovation unseres Landes im Sinne der Chancengleichheit konsequent gefördert und entwickelt werden können? Welche Grundhaltungen müssen wir unserer Jugend vorleben, damit Exzellenz und nicht Mittelmass Ziel unserer Gesellschaft wird? Und ist die „Gleichmacherei“ ein typisch schweizerisches Phänomen? Diese Fragen standen im Zentrum des Interesses.
Nivellierung zur Mitte
Was ist Talent? Die Diskussionsteilnehmenden definierten es als überdurchschnittliche Begabung, als Geschenk und als Bedürfnis, seine Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Damit diese Talente aber nicht brachliegen, müssen sie erkannt, geweckt und gefördert werden. Leider vertritt in der Schweiz die Gesellschaft verbreitet die Haltung, dass alles Herausragende auf ein Mittelmass zurückgestutzt werden müsse. Margrit Stamm illustrierte dies plakativ anhand eines Rasenmäher-Bildes: alle Köpfe werden auf dieselbe Haarlänge zurechtgestutzt. Da braucht es viel Energie eines einzelnen, sich gegen diese Haltung zur Wehr zu setzen.
Mit dem Konzept der Integration hielt in den Schulstuben auch die Tendenz zum Mittelmass Einzug: Der Fokus wird eher auf die schulisch Schwächeren gelegt, während die Stärkeren weniger gefördert werden, hält Margrit Stamm fest, mit der Konsequenz, dass Gymnasiasten diese Haltung schon internalisiert hätten und mit einer Orientierung hin zur Durchschnittlichkeit an die Universitäten kämen. Hans Senn betont, dass gerade in amerikanischen Universitäten die Herausragendsten speziell gefördert und unterstützt würden. In der Schweiz sieht dies hingegen anders aus: „Schweizer Jugend forscht“ lud die Maturanden ein, ihre Abschlussarbeiten einzureichen. Nur gerade 0.02% aller jährlich verfassten 20'000 Maturaarbeiten fanden den Weg zur Jury, was einer immensen Verschwendung von Wissen und Potenzial gleichkommt. Mit der Exzellenzförderung müsste man bereits viel früher beginnen, nämlich auf der Kindergarten- und Primarschulstufe. Gemäss einer Studie des Kantons Zürich sind dort 70 Prozent aller Schüler unterfordert.
Berufswelten
Es wäre vermessen, das Bildungssystem allein anzuprangern. Gemäss der Unternehmerin Rosemarie Michel hat auch die Arbeitswelt eine falsche Vorstellung davon, welche Kompetenzen in der Schule erlernt werden sollen. Es existiere ein Kriterienkatalog, welcher eine reibungslose Karriere garantieren soll, was per se fraglich sei: „Kein gescheiter Mensch macht Karriere, sondern er packt die Möglichkeiten des Lebens an, die sich ihm stellen.“
Klare Lösungsansätze
Was soll getan werden, um Talente in der Schweiz zu fördern und die Innovationskraft des Landes zu bewahren? Das Podium spricht sich für eine konsequente Förderung einer breiten Elite aus, damit die Potenziale unserer Kinder und Jugendlichen nicht brachliegen oder Talente verkümmern. Dies kann erreicht werden, indem spezielle Programme oder Schulen geschaffen werden, wie beispielsweise „Impuls Mittelschule“ des Kantons Zürich, welche die Schüler und Schulen animiert, Projektarbeiten einzureichen und sich einem Wettbewerb zu stellen. Es braucht auf eidgenössischer und kantonaler Ebene einen runden Tisch, an welchem eine klare Agenda für die Förderung von talentiertem Nachwuchs erstellt und diese in der Ausbildung an den Pädagogischen Fachhochschulen und alsdann in den Schulen konsequent umgesetzt wird. Es braucht eventuell sogar ein neues Bildungsdepartement auf Bundesebene. Auch sollten die Gelder für Begabtenförderung ausgeschöpft werden, so sie bereits existieren: zum Beispiel würden in der Ostschweiz zu diesem Zweck Mittel im Umfang von rund CHF 500'000 brach liegen. Nicht zuletzt sind auch die Eltern gefordert: Sie müssen ihrem Nachwuchs die Freude am Ausschöpfen ihres Potenzials wecken und die Lust am Wettbewerb fördern, indem sie diese ihnen auch vorleben.
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