Finanzplatz Zug - Montag, 21.05.2012


Mo, 28.08.2006

Harte Arbeit im Hintergrund

In wenigen Wochen fällt der Startschuss zur neuen Eishockey-Saison. EVZ-Geschäftsführer Roland Wyss spricht im Interview über die vergangene Saison, die Ziele für die kommende Saison und über die wirtschaftlichen Aspekte eines NLA-Eishockey-Clubs.

Roland Wyss, Geschäftsführer der EVZ Sport AG
(Foto: zvg)

Roland Wyss, schauen wir zurück auf die vergangene Saison. Wie fällt ihre sportliche Bilanz aus?

Mit der Playoff-Teilnahme haben wir unser Minimalziel erreicht. Das angestrebte Erreichen des Halbfinales haben wir jedoch durch die unnötige Niederlage gegen Rapperswil-Jona verpasst. Das Ausscheiden war keineswegs zwingend, weshalb wir mit der Saison aus sportlicher Sicht nicht zufrieden sein können.

Wie hat sich das frühe Ausscheiden finanziell ausgewirkt?

Wir waren im Vorfeld sehr euphorisch, denn wir setzten viele Saisonabos ab. Im Tagesgeschäft sind wir dann allerdings etwas zurückgefallen. Dies hat einerseits mit der Leistung der Mannschaft zu tun – wir hatten Durststrecken mit sechs, sieben Niederlagen in Folge. Der Zuschauer, der Tageskarten kauft, kommt dann natürlich kaum mehr ins Stadion. Umgekehrt hatten in der vorletzten Saison wegen des NHL-Lockouts zahlreiche hochkarätigen Spieler wie Rick Nash oder Niklas Hagman in der Schweiz gespielt – ein Leckerbissen für alle Eishockey-Fans. Das Fehlen solcher Stars hat sicher generell zu einem Publikumsrückgang in den Schweizer Stadien geführt. Trotzdem bin ich enttäuscht, dass es uns in der vergangenen Saison nie gelungen ist, ein ausverkauftes Stadion vermelden zu können. Das Minus, das wir nun vorweisen mussten, liegt sicher auch darin begründet.

Was kann während der Saison unternommen werden, um die Zuschauerzahlen kurzfristig zu erhöhen?

Eine Steuerung über den Preis nehmen wir nur ungern vor, denn die Leute mit Saisonabonnements fühlen sich natürlich benachteiligt. Je nach Situation bieten wir aber zum Beispiel für Sonntagsspiele so genannte „family packages“ an, um nur ein Beispiel zu nennen.
Tatsache ist aber: Wenn die Mannschaft nicht die Leistung bringt, die von ihr erwartet wird, ist es schwierig, das Stadion zu füllen. Die Zuschauer in Zug sind hier vielleicht noch eine Spur anspruchsvoller und verwöhnter als andernorts.

Umso schwieriger dürfte es sein, ein Budget zu erstellen, vor allem für den Bereich Zuschauereinnahmen?

Ja, es ist schwierig. Rund ein Drittel des Budgets von gesamthaft rund 9 Millionen Franken wird durch Zuschauereinnahmen abgedeckt. Ein weiteres Drittel der Einnahmen generieren wird durch unsere verschiedenen Gönnerorganisationen, und ein Drittel wird im Marketing umgesetzt. Wenn wir nun sehen, dass bei schlechten Zuschauerzahlen auf der Einnahmenseite ein Loch entsteht, machen wir natürlich Budgetkorrekturen und probieren auf der anderen Seite, in der Marketingabteilung mehr Einnahmen zu generieren.

Nun ist aber anzunehmen, dass zum Beispiel die Sponsorensuche schwieriger wird, wenn die Mannschaft schlecht spielt oder die Zuschauer ausbleiben…

Wir haben das Glück, dass wir viele alteingesessene und lokal ansässige Firmen wieder ins Boot bringen konnten, zum Beispiel V-Zug oder die Bosshard AG. Sie sind mit der Region verwurzelt und haben so auch einen persönlichen Bezug zum EVZ. Ich stelle immer wieder fest, wie wichtig ein gutes Beziehungsnetz für das Akquirieren von Sponsoren ist. Deshalb sind für uns die Anlässe im Rahmen der Gönnervereinigungen auch so wichtig. Die Gesprächskultur ist eine ganz andere, wenn man sich persönlich kennt und sich auch ausserhalb des Business trifft.

Daneben sind wir ständig bemüht, unseren Partnern entsprechende Gegenleistungen zu bieten. Die Zeiten, wo man einen namhaften Sponsoringbetrag mit einem Dankesbrief abhaken konnte, sind definitiv vorbei! Wir streben eine Zusammenarbeit an, wo beide Parteien am Schluss mit einer win-win-Situation rechnen können. Diesbezüglich bekommen wir von unseren Partnern ein sehr gutes Feedback.

Der Druck in der Marketing-Abteilung muss enorm sein, vor allem nach zuletzt eher schwierigen wirtschaftlichen Jahren!

Ja, das ist so. Vor zwei, drei Jahren konnte es vorkommen, dass ich einige Nächte lang nicht schlafen konnte. Unsere Situation hat sich aber deutlich verbessert, wenngleich sich der Wirtschaftsaufschwung auf unser Business noch nicht ausgewirkt hat. Das Akquirieren von Sponsoren ist noch immer harte Arbeit und braucht viel Einsatz und Geduld.

Welchen Einfluss haben die aktuellen negativen Diskussionen rund um den Sport? Krawalle bei Fussballspielen, der Bestechungsskandal in Italien oder Doping im Radsport sind nur einige Beispiele, die derzeit in den Medien äusserst präsent sind und auf Sponsoren hemmende Wirkung haben könnten.

Für uns hat dies bislang keinen Einfluss gehabt. Ich kenne keinen Fall, dass Sponsoren aufgrund solcher Vorkommnisse bei uns einen Rückzieher machten. Trotzdem bekommen wir solche Probleme natürlich indirekt zu spüren. Die Gewaltbereitschaft einiger Fans hat beispielsweise Einfluss auf die Besucherzahlen an den Matches. Ich weiss, dass Eltern mit ihren Kindern deswegen nicht mehr zu Spielen kommen - auch am Sonntagnachmittag nicht. Ich bin ganz klar der Meinung, dass diese Problematik angegangen werden muss.

Dies wird aber wohl mit grösserem finanziellenm Aufwand verbunden sein. Die Vereine müssen die Kosten für die Sicherheit ja alleine tragen!

Natürlich, wenn die Sicherheitsvorschriften aufgrund diverser Vorfälle oder auch neuer Gesetze angepasst würden, wäre dies für die Vereine eine deutliche Mehrbelastung. Da reden wir schnell von sechsstelligen Beträgen; und das beim EVZ, wo im Vergleich zu anderen Vereinen relativ wenig passiert. Diese Entwicklung ist bedenklich – unser Kernbusiness sollte ja nicht die Sicherheit sein, sondern der Eishockey-Event mit Show und positiven Emotionen.

Kritik erntet der Schweizer Eishockey-Verband für den aktuellen Spielmodus. Er ist für den Zuschauer nicht gerade attraktiv…

Das Wort „Übersättigung“ höre ich immer wieder. Viele Leute sagen mir: spielt zuerst mal die Qualifikation mit den 44 Spielen, und für die Playoffs komme ich dann auch wieder ins Stadion. Solche Aussagen werden auch durch die Zuschauerzahlen bestätigt: Manche Spiele der Qualifikation sind völlig unterbesetzt. Vor allem die Doppelrunden sind mir ein Dorn im Auge. Kaum ein Zuschauer will zwei Tage hintereinander ins Stadtion gehen.
Auch aus sportlicher Sicht ist der Modus schlecht: Die Qualität des zweiten Spiels ist deutlich schlechter, und die Verletzungsgefahr steigt deutlich an, weil die Spieler kleinere Blessuren innert 24 Stunden schlicht nicht auskurieren können. Eine Anpassung wird es aber vorderhand nicht geben. Die äusseren Einflüsse – wie zum Beispiel Ansprüche des Fernsehens – sind einfach zu gross.

Zum Schluss noch ein Ausblick auf die in wenigen Wochen startende Saison. Welche sportlichen Ziele verfolgt der EVZ?

Die Vertragsverlängerung mit Lars Weibel war sehr wichtig – damit bleibt dem EVZ eine grosse Stütze erhalten. Der Abgang von Patrick Fischer hingegen hinterlässt eine grosse Lücke. Ein solcher Schweizer Spieler kann nicht ersetzt werden. Umgekehrt wird dies aber auch die Chance für andere Spieler sein, aus Fischers Schatten zu treten und Verantwortung auf dem Eis, aber auch in der Kabine zu übernehmen. Ich hoffe sehr, dass ein solcher Effekt einsetzen wird.
Unser Minimalziel wird auch in dieser Saison das Erreichen der Play-Off’s sein.

Und in finanzieller Hinsicht?

Das Budget 2006/2007 weist einen Gewinn aus. Wir müssen aber nach wie vor haushälterisch mit unseren Mitteln umgehen, und dies wird auch in Zukunft so sein.

(zio.ch / Philipp Kleiser)


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